

Silberpfeil-Legende sagt leise Adieu
Es gibt Rennfahrer, die gewinnen Rennen. Und es gibt Rennfahrer, die Epochen verkörpern. Hans Herrmann gehörte zur zweiten Sorte. Am 9. Januar 2026 ist die Silberpfeil-Legende im Alter von 97 Jahren gestorben – und mit ihm ein Stück Motorsportgeschichte, das nach Öl, Gefahr und Heldenmut roch.
«Rennfahren ist gefährlich genug. Man muss es nicht zusätzlich gefährlich machen», meinte Hans Hermann über seine Rennstrategie, die zielstrebig, aber nicht halsbrecherisch war. Der Stuttgarter war kein Draufgänger, kein Selbstdarsteller, sondern ein ruhiger Fahrer, der konstant schnelle Runde fuhr.

Von der Backstube zum Rennsport
Entdeckt wurde Hans Herrmann von Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer, der auf der Suche nach einem Nachwuchsrennfahrer war. Neubauer wurde auf Herrmann aufmerksam, nachdem der gelernte Konditor 1953 in seinem privaten Porsche 356 mehrere Klassensiege eingefahren hatte – unter anderem bei der Mille Miglia.
Silberpfeil-Traumteam

Als Mercedes-Benz 1954 in den Grand-Prix-Sport zurückkehrte, war Herrmann mittendrin – an der Seite von Juan Manuel Fangio und Karl Kling. Von den Stars an seiner Seite liess sich Herrmann nicht beeindrucken. Im legendären W 196 R fuhr der Stuttgarter bei der Premiere in Reims die schnellste Runde. 195,463 Kilometer pro Stunde. Damals. Auf schmalen Reifen. 1955 komplementierte Stirling Moss das Silberpfeil-Traumteam. Moss sagte über den Formel-1-Rookie: «Hans war einer der Fahrer, denen man ein Auto geben konnte – und es kam schneller zurück, als man es erwartet hätte. Und meistens ganz.» Allerdings nicht immer. 1955 verunfallte Herrmann beim Training zum Grossen Preis von Monaco so schwer, dass er nicht mehr in einem Silberpfeil antreten konnte. Ende 1955 zog sich Mercedes-Benz aus dem Motorsport zurück.
Langstrecken Erfolge

Nach dem Rückzug von Mercedes aus dem Rennsport blieb Herrmann vielseitig aktiv: Formel 1, Formel 2, Rallyes, Sportwagen. Er fuhr alles – und schnell. Seine grössten Triumphe feierte er auf der Langstrecke: Targa Florio 1960, Daytona 1968 – und Le Mans 1970. Nach dem Le-Mans-Sieg hörte er als aktiver Fahrer auf. Für immer. Weil er es seiner Frau Magdalena versprochen hatte.
Markenbotschafter

Später wurde Herrmann Unternehmer, blieb aber dem Motorsport treu – als Markenbotschafter von Mercedes-Benz Heritage. Dort würdigte man ihn mit den Worten: «Hans Herrmann stand für Präzision, Zuverlässigkeit und technische Intelligenz – Eigenschaften, die den Mythos der Silberpfeile mitgeprägt haben.» Am 9. Januar 2026 ist die Silberpfeil-Legende in Stuttgart gestorben – ein leises Servus an den letzten Silberpfeil-Fahrer.

Bilder: Mercedes-Benz Archiv


