850 PS aus der Wüste

Ceer Exobot – Erstes Saudi-Auto

Saudi-Arabien hat zwar Öl und Geld, aber bislang keine eigene Automarke. Das soll Ceer ändern. Mit dem 850 PS starken Exobot präsentieren die Saudis ihr erstes eigenes Auto – inklusive kompletter Autoindustrie.

Veröffentlicht am 30.09.2026

Kann man sich eine Autoindustrie kaufen? Seit 2018 investierte der saudische Staatsfonds PIF mehr als eine Milliarde Dollar in Lucid und half damit, den Lucid Air zur Serienreife zu bringen. Später stiegen die Saudis bei Aston Martin und McLaren ein und gründeten mit Hyundai ein Joint Venture für eine eigene Autofabrik. Ceer ist nun der nächste logische Schritt: Statt westliche Automarken mitzufinanzieren, baut Saudi-Arabien seine eigene.

2022 wurde Ceer gegründet. Interessanter als die nackten Zahlen ist, wie Ceer überhaupt entstanden ist. Hinter der Marke stehen der saudische Staatsfonds PIF und der taiwanische Elektronikriese Foxconn. BMW liefert Engineering und Komponententechnologie, Foxconn die elektrische Architektur. Internationale Zulieferer wie Lear oder Benteler bauen gleichzeitig Produktionskapazitäten im Land auf.

Ceer versucht also gar nicht erst, hundert Jahre Automobilgeschichte nachzuholen. Man kauft Know-how dort ein, wo es vorhanden ist, holt Zulieferer ins Land und baut parallel die eigene Industrie auf. Nun stehen die ersten Autos da.

Exobot heissen sie und kommen als Limousine und SUV raus. Sie sehen aus wie ein Lambo-Lucid aus Tausendundeiner Nacht. Besonders die gegenläufig nach oben öffnenden Türen sorgen für Show. Eine klassische B-Säule gibt es nicht. Der Innenraum öffnet sich entsprechend spektakulär, während hochfeste Strukturen dafür sorgen sollen, dass sich der Exobot nicht wie ein Schuhkarton zusammenfaltet.

850 PS zum Einstand

Ceer beginnt nicht mit einem braven Kompaktwagen. Die First Edition bekommt drei Elektromotoren, Allradantrieb, 625 kW/850 PS und 1000 Nm. Die Limousine soll in 2,6 Sekunden auf Tempo 100 schiessen, das SUV braucht 2,9 Sekunden. Dazu kommt eine 112-kWh-Batterie mit 800-Volt-Technik. Ceer nennt bis zu 670 Kilometer Reichweite für die Limousine und 560 Kilometer fürs SUV. Allerdings nach dem grosszügigeren NEDC-Zyklus und nicht nach WLTP. Von zehn auf 80 Prozent soll der Akku in weniger als 30 Minuten geladen sein. Technisch wird ebenfalls geklotzt: Luftfederung, Hinterachslenkung, Steer-by-Wire und ein riesiges digitales Cockpit gehören zum Programm.

Erst Saudi-Arabien, dann die Welt

Produziert wird im neuen Ceer Manufacturing Complex in der King Abdullah Economic City. Bis 2030 sollen insgesamt sieben Modelle entstehen. Interessant ist: Ceer hatte sich ursprünglich als reine Elektroautomarke positioniert. Inzwischen sind auch Plug-in-Hybride und sogar Verbrenner vorgesehen. Offenbar hat man auch in Saudi-Arabien bemerkt, dass der eigene Stoff doch noch Zukunft hat.

Anfang 2027 soll der Exobot zunächst in Saudi-Arabien verkauft werden. Ab 2028 will Ceer in weitere Märkte des Nahen Ostens und Nordafrikas expandieren. Die späteren Modelle sollen bereits so entwickelt werden, dass sie internationale Zulassungsvorschriften erfüllen.

Ob daraus tatsächlich eine weltweit erfolgreiche Automarke wird, ist damit noch lange nicht entschieden. Aber Ceer hat etwas, das vielen fehlt: einen Staat im Rücken, globale Technologiepartner und den Plan, nicht nur Autos, sondern gleich ein ganzes automobiles Ökosystem aufzubauen.

Der Exobot ist deshalb vielleicht gar nicht das Spannendste an Ceer. Spannender ist die Frage, ob Saudi-Arabien gerade beweist, dass man im 21. Jahrhundert eine Autoindustrie tatsächlich aus dem Wüstenboden stampfen kann.

Bilder: Ceer

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