

Der Biedermann-Express
Es gibt nicht mehr viele VW Typ 3 Variant. Keinem Handwerker wäre es in den 1970er-Jahren in den Sinn gekommen, sein «Buden-Velo» für die Nachwelt zu konservieren. Umso einzigartiger ist die Totalrestauration dieses Exemplars, das ordentlich Dampf unterm Hintern hat.
Der VW Typ 3 (1961 bis 1973) war so vielseitig wie ein Härdöpfel. Wie man aus Kartoffeln Pommes-frites, Chips und Gschwellti machen kann, machte VW aus dem Typ 3 eine Limousine, ein Coupé und einen Variant. Der Kombi war besonders beliebt bei Handwerkern und allen anderen, die etwas zu transportieren hatten, aber dafür keinen Bus brauchten. Der VW Typ 3 Variant – intern Typ 36 genannt – war so etwas wie der vernünftige Bruder des Käfers, aber immer noch spritziger als der Bully.

Während der VW Käfer und der VW Bus zu Ikonen der Popkultur wurden, verrosteten die geschundenen Variant in Hinterhöfen als Ersatzteilträger für die wenigen VW Kombis, die ihre Nutzdauer überlebten. Schweller, Bodenbleche, Radläufe, Vorderachse, Batteriebereich: Der VW Variant rostete schneller, als er von null auf 100 km/h beschleunigte.

Im Alltag wurden die VW Kombis nicht liebevoll gepflegt – schon gar nicht hinsichtlich eines späteren Oldtimer-Status. Hätte dies ein Malermeister am Znüni-Stammtisch über seinen VW Variant gesagt, wäre er der Brüller des Tages gewesen.

Dabei wusste man schon damals, dass der Typ 3 Variant der erste Mittelklasse-Kombi von VW war. Viele sehen im Variant heute einen Vorläufer moderner Lifestyle-Kombis. Der Variant ist im Grunde der Urgrossvater aller Golf Variant, Passat Variant und Familienkombis aus Wolfsburg.
Der erste vernünftige VW

Technisch basierte der Variant auf der Heckmotor-Architektur des Käfers. Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxer war allerdings extrem flach eingebaut. VW nannte das «Flachmotor». Dadurch entstand vorne und hinten Stauraum. Man hatte also sowohl einen Frontkofferraum als auch einen Heckladeraum sowie eine umklappbare Rückbank. Für die 1960er-Jahre war das fast schon futuristisch.

Der Typ 3, der zwischen 1961 und 1973 rund 2,6 Millionen Mal gebaut wurde, brachte für VW einige Innovationen. Es war die erste VW-Grossserie mit elektronischer Benzineinspritzung, selbsttragender Karrosserie und besserer Fahrstabilität. Und: Er hatte erstmals eine Tankanzeige. Käferfahrer mussten vorher teilweise noch mit Reservehahn und Hoffnung arbeiten.
Mehr Dampf als damals

Den berühmten «Pancake-Motor», der bis zu 65 PS leistete, sucht man beim vorliegenden Umbau vergebens. Statt des luftgekühlten 1600-Boxermotors wurde ein 2,2-Liter-Motor eingebaut, der 90 PS leistet. Nicht schlecht für ein Fahrzeug, das rund 1000 Kilogramm wiegt.

Der grüne VW Typ 3 Variant wurde 2015 komplett auseinander genommen und neu aufgebaut. Zum neuen Motor gab es ein neues Getriebe und rundum Scheibenbremsen. Natürlich musste auch ein spezielles Fahrwerk verbaut werden. Das Ganze ist CH-geprüft und eingetragen.
Handwerker trifft Hot Rod

Auch innen wurde alles neu gemacht, was möglich war. Lederverkleidung mit Ziernähten, Recaro-Sitze, spezielles Lenkrad und natürlich eine Top-Soundanlage. Insgesamt liegen Restaurationsbelege von rund 125 000 Franken vor. Aktuell hat der Biedermann-Express 61’500 Kilometer auf dem Tacho und wird von Cartech in Chur zum Preis von 67 500 Franken verkauft.

Bilder: Christian Lienhard (lienhardbildwerke.ch)


