PAL-V Liberty

Das Flugauto wird Realität

Stau auf der A1? Rotor ausfahren, Gas geben und über alle hinwegfliegen. Seit «Blade Runner» warten wir darauf. Jetzt wird es tatsächlich ernst: Der PAL-V Liberty hat die europäische Produktionsgenehmigung erhalten. 2028 sollen die ersten Flugautos ausgeliefert werden. Stau war gestern? Nicht ganz.

Veröffentlicht am 12.09.2026

Stau am Gubrist. Nichts geht mehr. Wie schön wäre es jetzt, einfach rechts ranzufahren, Rotor ausklappen und über den ganzen Blechsalat hinwegzufliegen. Genau davon träumt die Menschheit, seit Autos im Stau stehen. Bald könnte dieser Traum Realität werden.

Am 7. September wurde ein entscheidender Schritt in Richtung Zukunft getan: PAL-V erhielt die europäische Production Organisation Approval. Damit darf das Unternehmen Luftfahrtprodukte nach EASA-Vorschriften produzieren. Bereits im März wurde PAL-V von der niederländischen RDW als Automobilhersteller anerkannt. Autohersteller? Check. Flugzeughersteller? Check. Jetzt fehlt vor allem noch die endgültige EASA-Musterzulassung. 2028 sollen die ersten Kunden ihre Schlüssel erhalten.

Auto oder Flugzeug?

Der Liberty sieht aus wie eine Mischung aus Dreirad und Helikopter. Technisch ist er ein dreirädriges Auto und zugleich ein Gyrocopter. Der grosse Rotor erzeugt seinen Auftrieb durch Autorotation, für Vortrieb sorgt ein Propeller.

Auf der Strasse fährt der Zweisitzer mit eingeklapptem Rotor und Propeller ganz normal im Verkehr mit. Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h. Von null auf 100 km/h dauert es weniger als neun Sekunden, die Reichweite beträgt laut PAL-V stolze 1315 Kilometer.

Am Flugplatz beginnt die Verwandlung. Rund fünf Minuten soll es dauern, bis aus dem Auto ein Fluggerät wird. Dann stehen maximal 180 km/h, bis zu 500 Kilometer Reichweite und eine Flughöhe von maximal rund 3500 Metern zur Verfügung. Zwei Rotax-Motoren sind an Bord.

Nicht einfach davonfliegen

Ganz so einfach wie bei James Bond funktioniert die Flucht aus dem Stau dann doch nicht. Der Liberty kann weder senkrecht starten noch auf dem Parkplatz vor dem Coop abheben. Zum Start benötigt er laut Hersteller rund 180 Meter Rollstrecke – und natürlich einen geeigneten Flugplatz. Ausserdem braucht der Mensch hinter dem Steuer eine entsprechende Pilotenlizenz.

Genau darin unterscheidet sich PAL-V von vielen futuristischen eVTOL-Projekten. Statt neue Vertiports, autonome Flugsteuerungen und gigantische Batterien zu erfinden, setzt man auf vorhandene Technik und bestehende Infrastruktur. Man fährt zum Flugplatz, klappt den Liberty auseinander, fliegt zum nächsten Flugplatz und fährt von dort weiter. Unspektakulär? Vielleicht. Dafür realistisch.

Fliegender Ferrari

Billig wird die Freiheit über den Wolken nicht. Für den Liberty Sport nennt PAL-V derzeit einen erwarteten Preis von 299’000 Euro vor Steuern. Die auf 90 Exemplare limitierte Pioneer Edition kostet 499’000 Euro. Dafür bekommt man anderswo einen ziemlich wackeren Ferrari – allerdings keinen, mit dem man über den Stau hinwegfliegen kann.

Bilder: PAL-V

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