CES 2026 Las Vegas

Silicon Valley auf Rädern

Die Consumer Electronics Show ist keine Automesse. Und genau deshalb ist sie für die Autoindustrie so wichtig. In Las Vegas geht es um Software, Sensorik, KI und Mikrochips – also um alles, was die fahrenden Computer von heute wirklich antreibt. Chrom, Hubraum und Nostalgie spielen hier höchstens Nebenrollen.

Veröffentlicht am 11.01.2026

Die CES 2026 zeigte gnadenlos, wohin die Reise geht: Autos werden zu Software-Produkten, Updates wichtiger als Modellpflege, Chips wertvoller als Zylinder. Wer hier nicht mithält, verschwindet. Las Vegas war auch dieses Jahr kein Ort für Sentimentalität – sondern für die automobile Zukunft. Und die kam alles andere als leise.

Mercedes-Benz: Luxus wird digital

Mercedes-Benz nutzte die CES erneut als Tech-Schaufenster – 2026 konsequenter denn je. Im Rampenlicht stand die US-Premiere des neuen elektrischen GLC. Fast noch wichtiger war jedoch das digitale Ökosystem: MBUX bekam Music-Streaming der nächsten Generation inklusive Spatial Audio mit Dolby Atmos in Apple CarPlay. Dazu kam Video-Streaming im neuen CLA mit DTS AutoStage Video powered by TiVo sowie RIDEVU von Sony Pictures – IMAX-optimiert, versteht sich. Partnerschaften mit Dolby, Xperi und NVIDIA machten klar: Der Stern denkt Plattform, nicht PS.

BMW: Weniger Screens, mehr Hirn

BMW feierte mit dem iX3 der Neuen Klasse die Nordamerikapremiere. Entscheidender als das Auto selbst war jedoch die Technik darunter: zonale Elektronik, deutlich weniger Steuergeräte, dafür massiv mehr zentrale Rechenleistung. Als erster Hersteller integrierte BMW den neuen KI-Assistenten Amazon Alexa+. Das erklärte Ziel: weniger Bildschirm-Zirkus, mehr intuitive Bedienung. Endlich sagt mal jemand laut, dass Touchscreen-Overkill keine Innovation ist.

Bosch und ZF: Die leisen Stars

Ohne Zulieferer läuft hier gar nichts. Bosch zeigte ein KI-Cockpit, das nicht nur zuhört, sondern auch hinschaut. Sprachmodell plus visuelle KI erkannten, was im und ums Auto passiert – von automatischer Parkplatzsuche bis zu Meeting-Protokollen während Videocalls. Serienreife? Noch offen.

ZF ging einen anderen Weg: Akustik-Software fürs Fahrwerk. Die neue Active Noise Reduction bekämpft störende Reifengeräusche direkt an der Quelle. Luxus ist eben manchmal einfach Ruhe.

Korea und Japan: Software first

Die Hyundai Motor Group spielte auf der CES über alle Banden: Software-defined Vehicles, Robotik, urbane Mobilität und ein spektakuläres Concept Car. Autos wurden hier konsequent als Plattform gedacht – Hardware nur noch als Träger.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Sony Honda Mobility. Die E-Limousine Afeela 1 stand kurz vor dem Marktstart in Kalifornien. 400 kW Leistung, rund 500 Kilometer Reichweite, 40 Sensoren, Level 2+ zum Start, Level 4 in Aussicht. Preis: rund 90 000 Dollar. Entertainment und Realität verschmolzen – Controller optional.

Chips statt Chrom

Die eigentlichen Stars der CES hiessen Qualcomm, NVIDIA und Intel. Sie lieferten die Rechenleistung für autonomes Fahren, KI und Echtzeitgrafik. NVIDIA öffnete seine Drive-Hyperion-Plattform für Zulieferer – ein offenes Ökosystem statt Insellösungen.

China denkt schneller

Chinesische Hersteller wie BYD, XPeng oder Nio nutzten die CES gezielt, um ihre Tech-Kompetenz zu zeigen: autonome Systeme, eigene Betriebssysteme, tiefe Batterieintegration.

Geely präsentierte mit FullDomain AI 2.0 und dem neuen GASD-Fahrsystem gleich die nächste Entwicklungsstufe Richtung hochautomatisiertes Fahren. Fakt ist: China gibt das Tempo vor.

<< Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren: