Totem GT Super «Litorale Brado»

Der beste Alfa, den es nie gegeben hat

Auf den ersten Blick sieht der Totem GT Super «Litorale Brado» aus wie einer der schönsten Alfa Romeo aller Zeiten. Auf den zweiten Blick wird es noch viel besser. Karbon-Monocoque, Biturbo-V6, Handschaltung – und ein Lenkrad aus Holz, weil der Besitzer gerne schreinert.

Veröffentlicht am 03.09.2026

Nein, das ist kein Alfa Romeo Giulia Sprint GT von Bertone aus den 1960er Jahren, sondern der Totem GT Super «Litorale Brado». Chassis, Karrosserie, Fahrwerk, Motor und Innenraum wurden von der italienischen Automanufaktur Totem praktisch neu entwickelt.

Herzstück ist ein Karbon-Monocoque, das mit Teilen der ursprünglichen Fahrzeugstruktur kombiniert wird. Vorne und hinten sitzen CNC-gefräste Aluminiumstrukturen, dazu Doppelquerlenkerachsen und speziell abgestimmte Dämpfer. Die Karrosserie besteht ebenfalls aus Karbon. Das Auto wiegt lediglich rund 1180 Kilogramm.

Doch Chassis Nr. 32 ist selbst unter Totems exklusiven Kreationen etwas Besonderes. Die italienischen Massschneider entwickelten für den «Litorale Brado» eine dreischichtige Metallic-Lackierung. Dazu kommen satinierte Gunmetal-Elemente, getönte Scheiben und zweifarbige Felgen, auf denen erstmals das gleiche Gunmetal-Finish zum Einsatz kommt. Die italienische Tricolore auf Seitenschwellern und Motorabdeckung wird von Hand aufgemalt.

Alfa für einen Schreiner

Richtig persönlich wird Chassis Nr. 32 innen. Der Besitzer ist leidenschaftlicher Hobby-Schreiner. Darum besteht das Lenkrad aus Holz. Wengé und Ahorn werden CNC-gefräst und anschliessend von Hand fertiggestellt. Der Schalthebel trägt dieselbe Holzkombination. Dazu kommen Leder mit bewusst gealtertem «Relic»-Finish und Stoffe des italienischen Textilhauses Limonta, dessen Geschichte bis 1893 zurückreicht.

Einige Schalter wanderten nach oben in den Dachhimmel. Die Inspiration stammt aus dem Flugzeugbau. Besonders stolz ist Totem bei Chassis Nr. 32 auf die neue Lenkstockeinheit. Die Hebel und Mechanik bestehen aus Titan und Karbon, Teile davon bleiben bewusst sichtbar. Selbst die Lenksäule verwendet beide Materialien.

Sechs Gänge. Handschaltung.

Unter der Haube steckt ebenfalls kein aufgebohrter alter Alfa-Motor. Gemeinsam mit Italtecnica entwickelte Totem einen eigenen 2,8-Liter-Biturbo-V6 namens «Gloria». In der aktuellen GT-Super-Spezifikation leistet er 471 kW/640 PS und 655 Nm. Damit katapultiert sich der nur 1180 Kilogramm schwere Italiener in 3,2 Sekunden von null auf 100 km/h.

Fast noch wichtiger: kein Doppelkupplungsgetriebe, keine Achtgang-Automatik und keine Schaltwippen. Das Getriebe sitzt nach dem Transaxle-Prinzip an der Hinterachse. Die Kraft geht selbstverständlich nur nach hinten. Ein mechanisches Sperrdifferenzial kümmert sich darum, dass aus italienischer Leidenschaft nicht plötzlich italienisches Kleinholz wird. Chassis Nr. 32 erhält ausserdem eine elektronisch gesteuerte Capristo-Auspuffanlage. 

Wild Coast

«Litorale Brado» bedeutet so viel wie «wilde Küste». Das passt. Der Besitzer lebt in Kalifornien, und die eigens entwickelte Lackierung «Big Sur Green» erinnert an die spektakuläre Pazifikküste südlich von Monterey. Dort wurde das Auto im August während der Monterey Car Week bei The Quail erstmals präsentiert und seinem Besitzer übergeben.

Das Unternehmen selbst bezeichnet den GT Super deshalb als «The Italian Gran Turismo that never was» – den italienischen Gran Turismo, den es nie gegeben hat. Denn Chassis Nr. 32 versucht gar nicht, das Jahr 1965 zurückzuholen. Es beantwortet vielmehr eine reizvolle Frage: Was wäre, wenn man Bertones Giulia GT heute noch einmal komplett neu entwickeln dürfte – ohne Kostenbremse, ohne Grossserienzwänge und mit Karbon, Titan und 640 PS? Die Antwort heisst «Litorale Brado». Und sieht verdammt nach Alfa aus. Preis: ab rund 539 000 Euro zuzüglich Steuern und vor individuellen Sonderwünschen.

Bilder: Totem Automobili

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