BMW X5 Neue Klasse

X5: Der schwierigste BMW des Jahres

Der X5 ist für BMW das, was der Tiguan für Volkswagen und der GLC für Mercedes-Benz sind – einer der wichtigsten Geldverdiener der Marke. Das Problem? Jede neue Generation muss die Stammkundschaft halten und gleichzeitig neue gewinnen. Nun steht die fünfte Generation an – mit dem Design der «Neuen Klasse».

Veröffentlicht am 02.07.2026

Den BMW X5 neu zu erfinden, ist ungefähr so riskant wie das Rezept der Toblerone zu verändern. Man kann einzelne Zutaten austauschen, die Verpackung modernisieren und den Zucker reduzieren. Doch wehe, der Stammkunde erkennt sein Lieblingsprodukt nicht mehr. Genau vor dieser Aufgabe standen die BMW-Designer bei der fünften Generation des X5.

Seit seiner Premiere 1999 ist der BMW X5 weit mehr als ein SUV. Er begründete bei BMW die Klasse der Sports Activity Vehicles und legte damit den Grundstein für die heutige X-Familie – vom X1 bis zum XM. Weltweit wurde der X5 millionenfach verkauft und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Modelle der Marke überhaupt. Für viele Kunden ist der X5 nicht einfach ein Auto, sondern der BMW schlechthin. Entsprechend klein ist der Spielraum für Experimente.

Dezenter und selbstbewusster

Mit der fünften Generation zieht die Designsprache der «Neuen Klasse» in den X5 ein. Die Front steht aufrechter, die Flächen wirken ruhiger und klarer modelliert, die bekannte Doppelniere schrumpft optisch und wird vertikal betont. Statt aggressiver Muskelspiele setzt BMW auf Selbstbewusstsein – weniger ein Bodybuilder als ein Yoga-Lehrer.

Auf die versenkbaren Türgriffe verzichtet BMW in weiser Voraussicht. Die verschärften Sicherheitsvorschriften in China machen solche Lösungen künftig deutlich schwieriger. BMW ersetzt sie durch sogenannte «Winglets» – kleine Griffleisten, die elegant in die Karrosserie integriert sind. Das verbessert nicht nur die Aerodynamik, sondern dürfte auch Traditionalisten freuen, die mit bündigen Türgriffen nie richtig warm geworden sind.

Panoramic Vision

Im Innenraum zeigt sich die eigentliche Revolution. Das neue Panoramic Vision projiziert Informationen über die gesamte Breite der Windschutzscheibe. Dazu kommen das Operating System X, ein frei schwebender Zentralbildschirm und auf Wunsch sogar ein Bildschirm für den Beifahrer. Knöpfe werden im neuen X5 zur aussterbenden Spezies. Ob das jeder mögen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Alle Antriebe verfügbar

Noch spannender ist das, was sich unter dem Blech verbirgt. BMW bietet praktisch alles an, was derzeit technisch möglich ist: Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid, erstmals einen vollelektrischen iX5 und später sogar eine Wasserstoffvariante. Der Kunde entscheidet, nicht der Hersteller. Daumen hoch.

Das serienmässige Adaptive Fahrwerk soll dafür sorgen, dass sich der X5 unabhängig vom Antrieb wie ein echter BMW fährt. Ein grosses Versprechen – aber eines, das die Münchner in der Vergangenheit meist eingelöst haben.

Bemerkenswert ist vor allem, was BMW nicht getan hat. Nach dem polarisierenden XM, der monumentalen Niere des 7ers oder dem futuristischen iX wäre es einfach gewesen, erneut maximale Aufmerksamkeit zu suchen. Stattdessen entschieden sich die Designer für Zurückhaltung. Vielleicht ist genau das heute die mutigste Form von Design.

Bilder: BMW

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