Fiat Panda 4×4 by Cartech

La Capra – die italienische Bergziege

«Der Panda 4×4 ist das einzige echte Auto für die Berge», sagte einst Gianni Agnelli. Und niemand wusste das besser als der legendäre Fiat-Patron. In St. Moritz fuhr der King of Dolce Vita am liebsten «La Capra». Auch heute noch verdreht der Panda 4×4 hier die Köpfe – sogar beim The I.C.E.

Veröffentlicht am 09.04.2026

Perfekt sitzender Zweireiher, die Krawatte locker über dem massgeschneiderten Hemd mit Manschettenknöpfen. Darunter eine Rolex Daytona, zwischen den Fingern eine Zigarette. So kannte man Gianni Agnelli, den wohl stilvollsten Mann Italiens. «Ich habe wirklich alles Schöne im Leben geliebt» lautet einer seiner legendären Sätze. Sein luxuriöser Lebensstil war ebenso berühmt wie seine Liebschaften – von Jackie Kennedy über Anita Ekberg bis Maria Callas.

Was hat mehr Stil?

Während er tagsüber Fiat zu einem Weltkonzern formte, lebte Agnelli nachts ein ausschweifendes Partyleben. Die Sommer verbrachte «L’Avvocato» auf seinen Jachten in Südfrankreich oder in seinen Residenzen in Capri, Positano und Forte dei Marmi. Im Winter residierte er am liebsten in seinem Chalet in St. Moritz. Dort fuhr der Multimillionär ganz bescheiden einen Fiat Panda 4×4 – eine Sonderanfertigung, die erst vor Kurzem versteigert wurde. Agnelli kaufte das auf Wunsch silbern lackierte Auto 1986 und behielt es 15 Jahre. Damit pendelte er vom Flughafen Samedan, wo ihn der Helikopter aus Turin absetzte, zu seinem Chalet am Suvretta-Hang. Was hat mehr Stil?

Star am The I.C.E

St. Moritz war auch Ziel dieses schwarzen Panda 4×4 by Cartech – ausgerechnet am The-I.C.E.-Wochenende, wo er zum heimlichen Star mutierte. Überall, wo er auftauchte, sorgte er für Lächeln und Sympathien – mehr als mancher Supersportwagen. Lustigerweise ist auch das Abschleppfahrzeug am I.C.E. ein Fiat Panda 4×4. Kleine Randnotiz: Auch der «Bürgermeister» von St. Moritz, Christian J. Jenny, fährt einen Panda 4×4 – mit Standartenflaggen. Zweifelsfrei: St. Moritz ist vernarrt in die kleine Kraxel-Kiste.

Leicht, schmal, kurz

Dabei war der Fiat Panda 4×4 alles andere als ein Auto für lustige Millionäre. Er war das Fahrzeug von Carabinieri, Förstern, Bauern, Jägern – und von allen, die in den Alpen vorwärtskommen mussten. Leicht, schmal, kurz und mit Traktion ohne Ende. Der Panda 4×4 war ein Schweizer Sackhegel auf Rädern: vielseitig, robust, zuverlässig. Wenn ein Panda nicht mehr weiterkam, war für andere längst Endstation. Das stellte auch der schwarze Panda 4×4 by Cartech bei seinem Ausflug in den Tiefschnee eindrücklich unter Beweis. Mit dem Sperrdifferenzial gibt es für den Kleinen kaum Hindernisse. Er hüpft leichtfüssig über den Schnee und klettert den Berg hoch wie eine Bergziege – daher auch sein Übername «La Capra».

Kleines Meisterwerk

Der Fiat Panda 4×4 kam 1983 auf den Markt. Das Antriebskonzept entstand in Zusammenarbeit mit den österreichischen Kollegen von Steyr-Puch, die bereits Erfahrung mit der G-Klasse hatten. Umso bemerkenswerter, als Audi mit seinem quattro-Projekt damals noch in den Kinderschuhen steckte, während der kleine Panda längst über unbefestigte Wege turnte. Dank seines unverkennbaren Designs, der cleveren Platzausnutzung und des erschwinglichen Preises wurde die erste Panda-Generation rund 20 Jahre lang gebaut. Der schwarze Fiat Panda 4×4 by Cartech gehört mit Baujahr 2003 zu den letztgebauten Exemplaren dieser Generation.

Mehr Charakter geht nicht

Cartech in Chur ist eigentlich für extravagante Supercars bekannt. Doch Inhaber Wolfgang Ulz liebt Autos mit Charakter. Und welches Auto hat mehr davon als der Panda 4×4? Keine Sorge: Dieses Exemplar wurde nicht auf 350 PS frisiert, sondern ist immer noch ein ganz normaler 1,1-Liter-Vierzylinder mit rund 54 PS. Das Besondere ist das Interieur. Hartplastik, flache Sitze und eine Heizung, die so schwach war, dass man selbst im Sommer Handschuhe tragen musste? Nicht hier. Während die Serienausstattung spartanisch ausfiel, durfte sich bei diesem Panda ein Sattler austoben und alles in Leder packen, was sich einpacken lässt.

Haben wollen? Haben können. 

Aktuell hat der schwarze Panda rund 102 000 Kilometer auf dem Tacho. Das ist praktisch nichts. Viele dieser Bergziegen laufen problemlos über eine halbe Million Kilometer – besonders in den italienischen Alpen, wo man dem Offroad-Panda der ersten Generation noch regelmässig begegnet. Während man ihn dort als günstigen Gefährten schätzt, werden im Unterland inzwischen teils absurde Preise bezahlt – oft doppelt so hoch wie der einstige Neupreis von rund 15 000 Franken. Aber in St. Moritz redet man nicht über Geld. Obwohl: Der schwarze Panda 4×4 by Cartech steht zum Verkauf. Und wer sich wegen Kuhfänger und Lichtgittern Sorgen macht – keine Angst: Alles ist MFK-konform abgenommen. Günstig wird er nicht sein. Aber billiger bekommt man garantiert kein Auto, das in St. Moritz mehr Köpfe verdreht.

Bilder: Christian Lienhard (lienhardbildwerke.ch)

<< Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren: