Erst das Monster, dann das Auto

Comeback als Jensen Interceptor GTX

Wie belebt man eine Automarke wieder, die seit einem halben Jahrhundert praktisch tot ist? Man lässt sie als Monster auferstehen – mit 973 PS aus einem 6,8-Liter-Kompressor-V8. Um den Rest kümmert man sich später.

Veröffentlicht am 08.09.2026

Andere Hersteller entwickeln zuerst einen komfortablen Gran Turismo und bauen irgendwann später mal eine radikale Rennstreckenversion davon. Bei Jensen läuft das andersherum. Der neue Interceptor GTX hat keine Strassenzulassung, keine Rücksicht auf empfindliche Bandscheiben und einen Heckflügel, auf dem man vermutlich ein Einfamilienhaus abstellen könnte. Erst wenn dieses Ding funktioniert, sollen daraus zivilisierte Autos entstehen.

Jensen war schon immer ein wenig anders. Der ursprüngliche Interceptor von 1966 kombinierte italienisches Design mit britischer Exzentrik und amerikanischem V8. Ein Auto wie ein englischer Gentleman, der seinen Tweedanzug in Mailand schneidern lässt, um damit ins Autokino zu fahren.

6,8 Liter gegen den Zeitgeist

Statt Elektroplattform, Downsizing oder Plug-in-Hybrid steckt im langen Vorderwagen ein 6,8-Liter-V8 mit Kompressor. Das Triebwerk basiert zwar auf der LT-Motorenfamilie von General Motors, wurde vom US-Spezialisten LME aber derart umfassend umgebaut, dass weniger als 20 Prozent der ursprünglichen Komponenten übrig sein sollen. Das Resultat: 960 bhp, umgerechnet rund 973 PS. Und das ist offenbar nur die höfliche Einstellung. Technisch soll der Motor für bis zu 1200 bhp, also über 1200 PS, ausgelegt sein. Die Kraft geht ausschliesslich an die Hinterräder. Dazwischen liegen eine Karbon-Kardanwelle und ein sequenzielles Sechsgang-Getriebe an der Hinterachse.

Mit 1660 Kilogramm ist der GTX für einen modernen Hochleistungs-GT zudem erstaunlich schlank. Der weit nach hinten gerückte Motor sorgt für eine Gewichtsverteilung von 49:51. Dazu kommen Doppelquerlenker rundum, einstellbare Nitron-Dämpfer, AP-Racing-Bremsen und Michelin Pilot Sport 4S statt Rennslicks. Also nichts für Frührentner, sondern eher was für Hochleistungssportler.

Versuchskaninchen mit Heckflügel

Streng genommen ist der GTX eigentlich kein Comeback. Jensen bezeichnet ihn als fahrfähigen Prototypen und Entwicklungsfahrzeug. Auf Rennstrecken soll er nun Kilometer fressen, Komponenten quälen und Daten sammeln. Danach wird rückwärts entwickelt.

Geplant sind zunächst der strassenzugelassene Interceptor GTR und später der komfortablere Interceptor GT mit vier Sitzen. Sogar Handschaltung und Achtgang-Automatik stehen für die Strassenversionen zur Diskussion.

Ob sie tatsächlich gebaut werden, hängt allerdings davon ab, ob genügend Kunden auftauchen. Das macht den Jensen Interceptor GTX vielleicht zum ehrlichsten Konzeptauto der Welt: Er verspricht keine Zukunft. Er fährt erst einmal los und schaut, ob jemand hinterherkommt. Es gibt unlustigere Arten, eine Automarke wiederzubeleben.

Fotos: Jensen

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