Legendäre Autoköpfe

Lella Lombardi – die Tigerin von Turin

Es gibt viele Pionierinnen im Motorsport. Doch nur eine Frau hat es jemals geschafft, in der Formel 1 zu punkten: Lella Lombardi. Am 26. März wäre Lella Lombardi 85 Jahre alt geworden. Leider starb sie im Alter von 50 Jahren an Krebs.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Barcelona, 27. April 1975. Die Formel 1 erlebt einen ihrer dunkelsten Tage. Auf dem Stadtkurs von Montjuïc verlieren mehrere Autos die Kontrolle über die gefährlichen Leitplanken. Als ein Wagen in die Zuschauermenge fliegt, wird das Rennen vorzeitig abgebrochen. Chaos, Sirenen, Unsicherheit.

Mitten in diesem Durcheinander fährt eine Italienerin auf Rang sechs: Lella Lombardi. Es ist zwar nur ein halber Punkt – weil weniger als 75 Prozent der Renndistanz gefahren wurden. Doch dieser halbe Punkt reicht, um Motorsportgeschichte zu schreiben. Bis heute ist Lombardi die einzige Frau, die jemals in der Formel-1-Weltmeisterschaft gepunktet hat. 

Von der Metzgerei auf die Rennstrecke

Angefangen hat alles am 26. März 1941 im piemontesischen Dorf Frugarolo, wo Maria Grazia Lombardi geboren wurde. Ihre Familie führte eine Metzgerei – und besass einen Lieferwagen. Damit begann ihre Liebe zur Geschwindigkeit. Die Kunden dürften begeistert vom Expressservice gewesen sein. Später arbeitete Lombardi auch als Taxichauffeuse, um sich den Traum vom Rennfahren finanzieren zu können.

Ihre Karriere startete sie ganz unten. Und kämpfte sich Schritt für Schritt vorwärts: lokale Rennen, kleine Formelserien in Italien, später Formel Monza und Formel 3. Ihr Fahrstil brachte ihr den Spitznamen «Tigerin von Turin» ein. Lombardi fuhr aggressiv, mutig und kompromisslos – Eigenschaften, die ihr schnell Respekt einbrachten. Und das in den wilden Jahren, wo Skrupellosigkeit auch Selbstmord bedeutete. Ausgerechnet in diesen Zeiten gelang ihr der Sprung in grössere Serien wie Formel 5000 und internationale Sportwagenrennen. Damit stand plötzlich eine Frau im Fahrerlager, die eine ernsthafte Konkurrentin war. Und fest entschlossen, zu siegen.

Kurze Formel-1-Episode

1974 bekam Lombardi ihre Chance in der Königsklasse. Sie startete für das kleine Team March und versuchte, sich beim Grossen Preis von Grossbritannien zu qualifizieren – als erste Frau seit vielen Jahren in der Formel 1. Insgesamt bestritt sie zwölf Grand-Prix-Wochenenden. Sie fuhr unter anderem für March, Williams und RAM. Die Autos waren selten konkurrenzfähig, die Budgets klein. Sie hatte allein vom Material her keine Chance, ganz vorne mitzufahren. Doch Lombardi zeigte immer wieder, dass sie mithalten konnte. 

Erfolgreicher im Langstreckensport

Nach ihrer Zeit in der Formel 1 fand Lombardi ihre eigentliche sportliche Heimat im Sportwagen- und Langstreckensport. Sie startete mehrfach bei den 24 Stunden von Le Mans, fuhr in der Sportwagen-Weltmeisterschaft und gewann 1979 zusammen mit Christine Dacremont ein Rennen der Tourenwagen-Europameisterschaft auf Alfa Romeo. Sie blieb über ein Jahrzehnt eine feste Grösse im internationalen Motorsport.

Unsterbliches Erbe

Lella Lombardi starb 1992 im Alter von nur 50 Jahren an Krebs. Ihr Vermächtnis lebt weiter – als Symbol für Mut und Durchsetzungswillen. Denn sie bewies etwas, das viele damals nicht glauben wollten: Geschwindigkeit hat kein Geschlecht.

Steckbrief

Name: Lella Lombardi (Maria Grazia Lombardi)
Geboren: 26. März 1941, Frugarolo, Italien
Gestorben: 3. März 1992
Beruf: Rennfahrerin
Formel-1-Starts: 12
Grösste Errungenschaft: halber WM-Punkt beim GP Spanien 1975 – bis heute einzige Frau mit Formel-1-WM-Punkten

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