Erster Restomod vom Porsche-Tuner

Première : TECHART GTclassic

Seit fast vier Jahrzehnten macht TECHART Porsche schneller, breiter und abgefahrener. Jetzt drehen die Leonberger die Uhr zurück. Der GTclassic ist der erste Restomod der Firmengeschichte: luftgekühlt, handgeschaltet, analog. Oder mit anderen Worten: Was Singer kann, will TECHART besser machen. Und günstiger.

Veröffentlicht am 24.09.2026

Wenn TECHART einen neuen Porsche ankündigt, erwartet man normalerweise Karbonflügel, gewaltige Lufteinlässe und jenseitige Leistungswerte. Seit 1987 beschäftigen sich die Leonberger Tuner damit, Porsche schneller, extrovertierter und exklusiver zu machen. Und jetzt? Pepita, Entenbürzel und analoge Stoppuhren.

Mit dem GTclassic wagt sich TECHART erstmals an einen klassischen Porsche und steigt damit in jenes Geschäft ein, in dem Singer, Theon und andere Spezialisten längst zu den etablierten Namen gehören. TECHART will den Klassiker allerdings nicht neu erfinden, sondern weiterdenken.

964 spielt F-Modell

Die technische Basis bildet ein Porsche 911 der Baureihe 964. Das Präsentationsfahrzeug ist sogar ein Carrera 4 – Allradantrieb ist bei solchen Restomods eher ungewöhnlich. Optisch reist der GTclassic dagegen noch weiter zurück und orientiert sich an den frühen F-Modellen.

Das funktioniert erstaunlich gut. Keine ausgestellten Backen, keine Flügeltheke, kein optischer Haudrauf. Stattdessen ein klassischer Entenbürzel mit zwei Luftöffnungen, neu entwickelte LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten sowie feine Akzente in mattem Champagner. Sogar die durchbohrten Türgriffe zitieren alte RSR-Modelle.

Besonders schön sind die eigens entwickelten 18-Zoll-Retrosport-Schmiederäder. Ihre Ähnlichkeit mit den legendären Fuchs-Felgen ist sicherlich ein Zufall. Vorne messen sie 8,5, hinten zehn Zoll in der Breite. Zusätzliche Öffnungen versorgen die Turbo-Bremsanlage mit Kühlluft.

Kein PS-Wahnsinn

Unter dem Entenbürzel steckt diesmal kein 800-PS-Monster, sondern ein luftgekühlter 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer. In der stärksten Ausbaustufe leistet der Sauger 279 kW/380 PS. Kein Turbo. Kein Elektromotor. Einfach Benzin, Luft und sechs Zylinder.

TECHART verzichtet bislang sogar auf Beschleunigungs- und Vmax-Angaben. Statt Quartettzahlen stehen Fahrgefühl und Mechanik im Mittelpunkt. Motorsport-Motorlager, eine Turbo-Bremsanlage und ein High-Performance-Fahrwerk mit externen Ausgleichsbehältern sollen dafür sorgen, dass der GTclassic nicht nur schön aussieht, sondern entsprechend fährt. Dazu gibt es eine eigene Abgasanlage mit mittig angeordneten Endrohren.

Zwei Stoppuhren

Innen hält sich TECHART erfreulich zurück. Das klassische Cockpit mit seinen fünf Rundinstrumenten bleibt erhalten. Leder trifft auf zweifarbiges Pepita, dazu kommen Aluminiumschalthebel und auf Wunsch Clubsport-Sitze.

Das vermutlich schönste Detail sitzt im Armaturenbrett: zwei analoge Stoppuhren von Hanhart. Damit lassen sich tatsächlich Rundenzeiten stoppen. Von Hand. Wie früher.

Ganz in der Vergangenheit lebt der GTclassic trotzdem nicht. Navigation, Bluetooth und Apple CarPlay verstecken sich im Porsche Classic Radio. Dazu gibt es HiFi-Anlage und Ambientebeleuchtung. Digitalisierung darf also mitfahren – sie muss sich einfach benehmen.

Nur elf Stück

Gebaut werden lediglich elf Exemplare. Bei der Weltpremiere in München sollen bereits zwei verkauft worden sein. Einen offiziellen Preis nennt TECHART derzeit nicht. CEO Benedict von Canal erklärte bei der Präsentation, man wolle deutlich unter dem Preisniveau von Singer bleiben. Was bei handgefertigten Porsche-Restomods ungefähr so beruhigend klingt wie «Die Jacht ist günstiger als die andere».

Bilder: TECHART

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