

Michelotto Gruppo 4 Tributo
Ausgerechnet Michelotto, die legendäre italienische Rennwagenschmiede, erweckt den wildesten 308 aller Zeiten zu neuem Leben. 380 PS, 950 Kilogramm, V8-Saugmotor und ein echtes Renngetriebe. Ein Ferrari 308 ohne Ferrari?
Michelotto baut eine Hommage an den legendären Ferrari 308 GTB Gruppe 4. Ohne Ferrari-Emblem, aber mit Erfahrung. Die italienische Rennwagenschmiede hat über 700 Wettbewerbsfahrzeuge gebaut und war unter anderem für die Rennversionen des Ferrari F40 verantwortlich.

Auf den ersten Blick sieht der Michelotto Gruppo 4 Tributo aus wie ein Ferrari 308 GTB, der sich für eine Rallye angemeldet hat. Breite Kotflügel, gewaltige Lufteinlässe und eine Karrosserie aus Karbon. Doch unter der Haut steckt kein restaurierter Ferrari. Michelotto hat das Auto praktisch neu erfunden. Mit einem Stahlrohrrahmen samt integriertem Überrollkäfig, modernen Fahrwerkskomponenten und einem V8, der 380 PS leistet.

Rallye mit Enzos Segen
Angefangen hat alles 1969 in Padua. Giuliano Michelotto eröffnete eine kleine Werkstatt, die sich bald einen ausgezeichneten Ruf im Motorsport erarbeitete. 1973 wurde Michelotto offizieller Ferrari-Servicebetrieb. Doch der junge Italiener interessierte sich nicht nur für die roten Sportwagen aus Maranello. Er hatte auch eine Schwäche für Rallyes. Und das sogar mit Enzo Ferraris Segen.

Mitte der 1970er-Jahre nahm sich Michelotto den 308 GTB vor. Ferrari stellte dafür nackte Karrosseriestrukturen zur Verfügung. Michelotto machte aus dem eleganten Sportwagen eine ziemlich wilde Rennmaschine. Breitere Kotflügel, verstärktes Fahrwerk, kürzere Übersetzungen, weniger Gewicht und mehr Leistung. Die ersten Gruppe-4-Ferrari gingen 1978 an den Start. 1979 gewann Raffaele Pinto die Rallye di Monza. 1981 triumphierte Jean-Claude Andruet bei der Tour de France Automobile. Ein Jahr später holten Tonino Tognana und Massimo De Antoni sogar den italienischen Rallyemeistertitel. Insgesamt entstanden nur elf Ferrari 308 GTB in Gruppe-4-Ausführung. Die Autos wurden zu begehrten Sammlerstücken.
Acht Zylinder im Nacken

Fast 50 Jahre später schliesst sich der Kreis. Die Idee zum Gruppo 4 Tributo stammt von Francesco Calzavara, einem langjährigen Weggefährten Michelottos und Gründer von AC Motorsport. Entwickelt und gebaut wird das Auto von Michelotto selbst. Nicht als Kopie, sondern als moderne Interpretation jener Rennmaschine, mit der die Erfolgsgeschichte einst richtig Fahrt aufnahm.

Der 3,4-Liter-V8 sitzt quer hinter den beiden Passagieren und entwickelt 380 PS bei 8250 Touren. Das ist für heutige Verhältnisse nicht besonders viel. Aber der Michelotto wiegt nur 950 Kilogramm – ohne Benzin.
Geschaltet wird über ein manuelles Fünfgang-Renngetriebe mit Dogleg-Schaltschema. Der erste Gang liegt links hinten, damit die häufig gebrauchten Gänge zwei bis fünf besonders schnell gewechselt werden können.
Viel Vergangenheit, wenig Nostalgie
Das Fahrwerk mit doppelten Dreiecksquerlenkern ist einstellbar, die Bremsen besitzen Vierkolbensättel und eine vom Fahrer verstellbare Bremsbalance. Auf den 18-Zoll-Rädern sitzen Pirelli P Zero Trofeo RS. Innen gibt es zwei Sitze, Alcantara und Vierpunktgurte. Viel mehr braucht es offenbar nicht zum Glücklichsein.

Wie viele Exemplare vom Michelotto Gruppo 4 Tributo gebaut werden und was der Spass kostet, ist noch nicht offiziell bestätigt. Im Raum stehen Preise jenseits von 450’000 Euro. Ob der Michelotto eine Schweizer Strassenzulassung erhält, ist ebenfalls offen. Entstehen sollen vom exklusiven Nicht-Ferrari weniger als 50 Exemplare.
Bilder: AC Motorsport


